Celestial
textfabrik

"bald bin ich geübter im führen von kündigungsgesprächen als im arbeiten", sage ich wärend ich in das auto zu meinem freund steige. er lacht und legt das handy weg. wir fahren mit quietschendem keilriemen vom hof meines ehemaligen arbeitgebers.

zwei monate arbeitete ich in einer textfabrik. schrieb am laufenden band kurze texte über malen nach zahlen, lego, spielzeuggewehre, plüschtiere, spielhäuser. saß zusammen mit 10 weiteren menschen (allesamt studentische aushilfskräfte) an ikea-kinder-schreibtischen.

in dieser zeit führte ich häufiger diskussionen über das öffnen und schließen von fenstern um den raum zu lüften, als es irgenein mensch in seinem ganzen leben machen müsste. und ich ließ mich von einem menschen (bekannt als monk-kollege) so sehr reizen, dass ich minutenlang zitternd auf ein leeres textfeld starrte, mir einen fingernagel in meinen daumen drückte um mich zu beruhigen und trotzdem fast einen mord begangen hätte.

wärend mein freund "sie nannten sie die wechslerin", scherzt, ruft meine mutter gestern abend an und fragt gleich nach der begrüßung "bist du dir sicher, dass das die richtige entscheidung war?"
mein rücken, der sich nach dem monk-streit verkrampfte, entkrampfte sich schlagartig, als ich heute die kündigung unterschrieb - er denkt wohl schon, dass es die richtige entscheidung war. ich zweifle. wie immer. denn auch, wenn ich nicht mehr in unternehmen arbeiten möchte, in denen es mir nicht gut geht, ich mir keine aufstiegschance entgehen lassen möchte und es bisher immer eine verbesserung und in irgendeiner art und weise immer eine wichtige erfahrung war, so möchte ich nicht auf ewig bäumchen wechsel dich spielen. ich möchte sesshaft werden. ich möchte über jahre in einem team arbeiten, mich wohl fühlen, kontakte knüpfen, wachsen.

doch die befürchtung, dass ich durch mein zweifaches kündigen eines jobs, weil es "probleme" gab, einen stein ins rollen brachte und ich fortan niemals mehr etwas aushalten werde, nie wieder etwas durchstehe, weil es mir zu lästig ist und nachgeben, sich hinwegschlängeln doch viel einfacher ist - die bleibt.

aber ich habe vor augen, wie ich ab montag in einer kleinen, schicken agentur zur assistenz der geschäftsführung werde, wie mein freund problemlos einen ausbildungsvertrag ab dem 1.8. bekam - beim ersten vorstellungsgespräch trotz eines gefühlt verkackten einstellungstests - und ich mag beweisen, dass ich bestand habe.
30.3.12 19:02


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